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Meeresplastik in Zahlen: Was wirklich im Meer landet

Paul Kasten, Gründer von TaskBlue · Aktualisiert am · 7 Min. Lesezeit

Nach Berechnungen der OECD sind 2019 rund 6,1 Millionen Tonnen Plastik in Flüsse, Seen und Meere gelangt, 1,7 Millionen Tonnen davon ins Meer. Im Meer selbst haben sich bereits rund 30 Millionen Tonnen angesammelt, und weil in Flüssen weitere 109 Millionen Tonnen liegen, kommt noch jahrzehntelang Nachschub.

Wie viel Plastik ins Wasser gelangt

Die Zahlen, die man liest, gehen weit auseinander. Das liegt selten an schlechter Forschung, sondern daran, was gezählt wird: die ganze Umwelt, alle Gewässer oder nur das Meer. Und daran, für welches Jahr.

  • Ganze Umwelt: 2019 gelangten laut OECD 22 Millionen Tonnen Plastik in die Umwelt. Eine Studie in Nature kommt für 2020 auf rund 52 Millionen Tonnen Plastikmüll, die unkontrolliert in die Umwelt gelangen. 57 Prozent davon werden offen verbrannt, 43 Prozent bleiben als Müll an Land liegen und können von dort in Gewässer gelangen.
  • Alle Gewässer: Das UN-Umweltprogramm UNEP schätzt, dass jedes Jahr 19 bis 23 Millionen Tonnen Plastikmüll in Seen, Flüsse und Meere gelangen. Die OECD kommt für 2019 auf 6,1 Millionen Tonnen. Die beiden Zahlen beruhen auf unterschiedlichen Modellen und Bezugsjahren.
  • Nur das Meer: Ins Meer gelangten 2019 laut OECD 1,7 Millionen Tonnen.

Wie viel schon im Meer liegt

Plastik verschwindet nicht, es zerfällt nur in immer kleinere Stücke. Darum wächst die Menge im Meer Jahr für Jahr. Die OECD schätzt sie auf rund 30 Millionen Tonnen, UNEP nennt eine Spanne von 75 bis 199 Millionen Tonnen. Dass die Schätzungen so weit auseinanderliegen, zeigt vor allem, wie schwer sich das Meer vermessen lässt.

Und es wird mehr: Ohne wirksame Gegenmaßnahmen werden sich die Plastikeinträge in Gewässer laut einer Prognose von UNEP bis 2040 fast verdreifachen.

Geisternetze: Netze, die weiterfangen

Geisternetze sind Fischernetze, die im Meer verloren gegangen oder dort zurückgelassen worden sind. Niemand holt sie mehr ein, aber sie fangen weiter: Fische und andere Meerestiere verfangen sich darin. Am Meeresgrund brauchen solche Netze laut WWF 400 bis 600 Jahre, bis sie zerfallen.

Eine Studie in Science Advances schätzt, dass jedes Jahr fast 2 Prozent aller Fischereiausrüstung im Meer verloren gehen. Wie groß ihr Anteil am Meeresplastik weltweit ist, weiß niemand genau. Für einzelne Gebiete gibt es aber Messungen: Im Großen Pazifischen Müllstrudel treiben mindestens 79.000 Tonnen Plastik, und mindestens 46 Prozent dieser Masse sind Fischernetze. Nach einer Schätzung von 2022 könnten dort sogar 75 bis 86 Prozent der treibenden Plastikmasse (Teile über 5 cm) aus der Fischerei stammen.

Was in der Ostsee passiert

Der WWF Deutschland sucht und birgt seit 2013 Geisternetze in der Ostsee. Seit er 2018 mit Sonar sucht, hat er laut WWF 33 Tonnen Geisternetze geborgen. Bei einer einzigen Bergungsfahrt im Jahr 2020 waren es an drei Tagen mehr als neun Tonnen, laut WWF die bisher größte Menge auf einer Fahrt.

Seit Februar 2025 ist die Plattform GhostNetZero.AI öffentlich zugänglich. Privatleute und Organisationen können dort Sonardaten vom Meeresboden hochladen, und eine KI markiert mögliche Geisternetze laut WWF mit 94 Prozent Genauigkeit. Fachleute prüfen die Treffer, bestätigte Stellen kontrollieren Taucher über die kostenlose GhostNetZero-App. Recyceln lassen sich die geborgenen Ostsee-Netze übrigens nicht: Sie sind laut WWF zu stark mit Sand und Blei verunreinigt.

Und was trägt TaskBlue dazu bei?

Jede Fokusstunde finanziert die Bergung von rund 50 g Meeresplastik, gemeinsam mit dem WWF und GhostNetZero. Ein Kilo sind 20 Stunden, 100 Stunden im Monat ergeben die Obergrenze von 5 kg. Wie das genau funktioniert, steht beim Ocean Impact.

Ehrlich gesagt: Neben 1,7 Millionen Tonnen im Jahr sind ein paar Kilo winzig. Aber jedes Netz, das geborgen wird, fängt nichts mehr. Und dein Kind sieht in der App, was seine konzentrierte Zeit bewirkt hat. Genau darüber lässt sich gut reden, zum Beispiel mit den Zahlen aus diesem Artikel.

Häufige Fragen

Besteht Meeresplastik zum größten Teil aus Fischernetzen?

Für das treibende Plastik im Großen Pazifischen Müllstrudel wahrscheinlich ja: Mindestens 46 Prozent der Masse sind dort Netze, und eine Schätzung von 2022 kommt auf 75 bis 86 Prozent aus der Fischerei. Für das Meer weltweit gibt es keine belastbare Gesamtzahl. FAO und UNEP kamen 2009 mit einer groben Näherung auf weniger als 10 Prozent des Meeresmülls, gemessen am Volumen.

Warum recycelt man die geborgenen Netze nicht?

Die Netze aus der Ostsee sind laut WWF so stark mit feinem Sand und Blei verunreinigt, dass sie sich nicht recyceln lassen. Wichtig ist vor allem, dass sie aus dem Meer kommen und dort nichts mehr fangen.

Wie viel Plastik holt TaskBlue im Monat aus dem Meer?

Rund 50 g pro Fokusstunde, bis zu 5 kg im Monat. Die Bergung finanziert TaskBlue gemeinsam mit dem WWF und GhostNetZero.

Quellen

Stand: Oktober 2026. Alle Angaben ohne Gewähr.

  1. Global Plastics Outlook: Economic Drivers, Environmental Impacts and Policy Options, OECD, 2022
  2. Plastic pollution is growing relentlessly as waste management and recycling fall short, says OECD, OECD, 2022
  3. Plastic Pollution and Marine Litter, UNEP
  4. A local-to-global emissions inventory of macroplastic pollution (Cottom, Cook, Velis), Nature, 2024
  5. Global estimates of fishing gear lost to the ocean each year (Richardson, Hardesty, Vince, Wilcox), Science Advances, 2022
  6. Evidence that the Great Pacific Garbage Patch is rapidly accumulating plastic (Lebreton et al.), Scientific Reports, 2018
  7. Industrialised fishing nations largely contribute to floating plastic pollution in the North Pacific subtropical gyre (Lebreton et al.), Scientific Reports, 2022
  8. Abandoned, lost or otherwise discarded fishing gear (Macfadyen, Huntington, Cappell), FAO / UNEP, 2009
  9. Geisternetze in der Ostsee, WWF Deutschland
  10. GhostNetZero.AI: How AI is Saving Marine Life, WWF Deutschland

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